Rolf Schroeter - Workshop 10


Platz für Menschen

"Ohne Menschen sind Plätze oder Strassen nur Flächen zwischen Häusern, zu städtischem Raum werden sie erst durch ihre Nutzer.

Wir wollen daher versuchen, einen Ort aufzuzeichnen, indem wir mit den Menschen, die ihn mit uns teilen, beginnen. Wir skizzieren Passanten, Autos, abgestellte Fahrräder, Stadtmöblierung und spannen so einen Raum auf und setzten die Architektur eines Ortes erst in einem zweiten Schritt in Beziehung zu dem Geschehen am Ort.

Wir beginnen mit schnellen Skizzen mit unterschiedlichen Ansätzen. Wir üben dabei, Menschen 'in Aktion' zu erfassen und in Beziehung zueinander zu setzen. Danach versuchen wir uns an einer größeren Szene, die neben den Passanten auch die raumbildende Architektur erfasst, die wir wie oben beschrieben in Bezug zu unseren 'Protagonisten' setzen."

Werkzeuge:

Plant für die 'Übungsphase' ausreichend leere, rasch und skizzenhaft zu füllende Blätter - im Skizzenbuch oder lose - ein. Nehmt Euer gewohntes Zeichenwerkzeug, vorausgesetzt es ermöglicht schnelles und skizzenhaftes Arbeiten. Je einfacher, desto besser - Bleistift, Marker (evtl. verschieden farbig), Füller etc.

Besonders für die große Szene kann auch kolorierendes eingesetzt werden, wie Wasserfarben, Bunt- oder Filzstifte.





Unser Interview mit Rolf Schroeter:


Moin Rolf,

Du bist ja bei Urban Sketchers Germany und bei facebook sehr aktiv und postest regelmäßig Deine Zeichnungen. Dabei fallen mir Pubs, Bahnhöfe und Livemusik besonders auf. Ich persönlich bringe diese drei Themen aber auch sehr mit Berlin in Verbindung. Bevor jetzt  aber der Eine oder Andere glaubt, dass Du selbst Musiker bist und ständig mit ÖPNV zu Proben fährst und dabei zeichnest...

... erzähl doch lieber selbst mal, was Du in Wirklichkeit so machst, bzw. wie es zu Deinen Zeichnungs-Orten kommt.

Ich zeichne beruflich eher technisch, für Architektur, Steingestaltung und manchmal etwas Illustration,

'frei' dann halt, wo es alltagsbegleitend geht, man also die Hände frei hat, wie in Zügen, beim Bier und so.

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Was für Hobbies hast Du sonst noch, neben dem Zeichnen?

Zeichnen ist schon das, was ich tue, wenn mir Job und Familienaktivitäten Zeit lassen - dann lauf ich noch gerne einfach rum, sowohl durch Natur als auch Stadt, einfach ziellos durch die Gegend - führt dann aber auch oft wieder zu Zeichnen.

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Mit Deinen Zeichnungen gelingt es Dir ja sehr gut, Stimmungen und Situationen darzustellen.

Ist das für Dich auch ein Anliegen? Worauf liegt Dein Fokus?

Ich versuche subjektiv also, ein Stück weit selbst Teil der Szene zu bleiben, die ich zeichne. Deswegen benutze ich keinen Stuhl, arbeite oft im Stehen und hab meine Sachen griffbereit in Hosen- oder Umhängetasche, so dass ich oft auch einfach spontan loslegen kann. Das tue ich dann meist auch ohne mir vorher all zu viele Gedanken zu machen, wie das Ergebnis wird. Das Zeichnen selbst sollte möglichst ein wenig ein Abenteuer ohne zu viel Routinen bleiben.

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Gibt es Dinge, die beim Zeichnen nerven?

Ich glaube, man sollte sich bemühen, nicht genervt zu sein. Wenn man wie wir mit Absicht draußen und in der Öffentlichkeit zeichnet, und nicht im Atelier, setzt man sich ja vorsätzlich Fährnissen wie Wetter und mitteilungsbedürftigen oder aggressiven Menschen aus. Das sollte man also als Teil des Plans akzeptieren. Gelingt zugegeben nicht immer - ich versuche z.B. sensibel zu agieren, wenn ich merke, dass es jemanden stört, gezeichnet zu werden, und höre dann ggf. auch damit auf und/oder versuche die Situation durch demonstrative Freundlichkeit zu entspannen. Wenn allerdings jemand aggressiv und belehrend meint, ich würde illegal handeln und müsse Jeden, den ich zeichne, vorher fragen, finde ich das anmaßend, es ist definitiv juristisch auch falsch, und reagiere dann auch deutlich.

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Gerade in Pubs oder bei Livemusik kann man ja nicht wirklich ungesehen zeichnen. Gab`s dabei schon besonders lustige Erlebnisse?

Nö, natürlich nicht. Das ist harte Arbeit und kein Spaß ;o)

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Du zeichnest gerne in verschiedenen Lagen übereinander.

Hat sich das mit der Zeit so ergeben oder hast Du das schon immer so gemacht?

Das hat sich mit der Zeit entwickelt. Wenn z.B. ein interessanter Mensch den Vordergrund meiner Szene betritt und ich sehe, dass es räumlich spannend wäre, ihn darzustellen, mache ich das dann auch, wenn ich dadurch andere Zeichnungsteile überlagere. So hat das angefangen, und es hat sich dann für mich rausgestellt, dass das funktioniert und man die Schichten auch 'lesen' kann.

Ich denke auch, dass so ein Vorgehen das Prozesshafte einer Zeichnung betont, dass sie ja z.B. von einem Foto unterscheidet, dass man verschiedene Zustände in einem Raum integriert und so eine weitere Erzähl-Ebene erhält, die man durch Auswahl im Sinne einer subjektiven Interpretation gestalten kann.

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Ich finde es cool, dass Du Textmarker einsetzt um Zeichnungsteile zu betonen. Eigentlich ein effektstarker

Stift, den jeder zu Hause hat. Hast Du noch mehr solche Tricks auf Lager?

Das mit den Textmarkern hat sich aus der oben beschriebenen Überlagerei ergeben - krasse 'grafische' Farben trennen verschiedene Schichten gut lesbar und werden nicht leicht malerisch, also als Angabe von Lokalfarben, fehlinterpretiert. Daher bin ich dazu eigentlich gekommen, dass man damit auch Autorücklichter, Berliner Mülleimer oder so gut anmalen kann, hat sich dann nahe liegender Weise ergeben.

Euin Tipp oder Trick wäre, dass man besonders  mit grünem oder gelben Textmarkern als zusätzliche Schicht über Aquarellfarben Farbtöne auch nachträglich 'pimpen' kann, z.B. wenn Licht durch Laub fällt, und man feststellt, dass man vor dem Mischen seine Pallette doch besser gereinigt hätte ...

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Letzte Frage: Fürs Treffen in Eutin stehen die genauen Workshop-Themen heute ja noch nicht ganz fest.

Trotzdem - was können die Teilnehmer von Dir lernen, die per Los in Deinem Workshop landen?

 Das ist natürlich noch eine Weile hin - ich denke, ich würde gerne wieder versuchen, mit einer belebten, sich ändernden Szene zurecht zu kommen.

 

Vielen Dank fürs Interview Rolf. Wir sehen uns spätestens am 1.-3.9.2017 in Eutin

(Das Interview führte Kai M. Schluck)

 

Weitere Infos zu Rolf Schroeter findet Ihr im Internet:

skizzenblog.rolfschroeter.com